Fachinfo

Blumenwiesen

Magerwiesen werden umgangssprachlich auch als Blumenwiesen oder Kräuterwiesen bezeichnet.

Definition: Eine Magerwiese ist eine ausdauernde Pflanzengemeinschaft, in der zahlreiche Kräuter und Gräser genügend Zeit haben, ihre Entwicklung bis zur Samenreife abzuschließen, bevor sie abgemäht werden. Ihr Bestandsaufbau – nach Arten, Höhe und Dichte unterschiedlich – lässt sich durch Schnittzeitpunkt und -häufigkeit regulieren. Wird die Mahd auf ein bis drei Schnitte eingeschränkt, entsteht eine Wiese, wenn der Schnitt nach der Blüte der Wiesenpflanzen vorgenommen wird. Vorraussetzung für eine blumen- und kräuterreiche Wiese ist ein magerer, relativ nährstoffarmer Boden, wobei man sagen kann: Je nährstoffärmer dieser ist, desto artenreicher die Wiese.

Anlegen einer Blumenwiese

Zur Anlage einer Blumenwiese gibt es folgende Möglichkeiten:
  • "Durchwachsenlassen" eines vorhandenen Rasens, d. h. lediglich Reduzierung der Mahd und Verzicht auf Düngung. Dies ergibt zunächst ein wenig buntes Bild, da Arten aus dem Umfeld nur sehr langsam einwandern. Auch spielt die vorhandene Bodenqualität eine wichtige Rolle: Für die Entwicklung von Blumenwiesen aus Vielschnittrasen sind jüngere Rasenansaaten auf frischen, nährstoffreichen, lehmigen Böden nicht sehr günstig. Hingegen sind die Vorraussetzungen auf trockenen, kalkhaltigen oder sauren und mageren Standorten günstiger. Sehr gut für eine Umstellung geeignet sind auch ältere Rasennarben, die früher als Wiesen genutzt wurden. Sie enthalten noch nach Jahren intensiver Pflege zahlreiche erwünschte Wiesenkräuter und deren Samen, die sich dann bei geringer Schnitthäufigkeit entfalten können.

  • Umbruch der Grasnarbe und Ausmagern von schweren, tonigen Böden durch Lüften (Vertikutieren) und Einarbeiten von Sand in die Hohlräume. Reduzierung der Mahdzahl und Nährstoffentzug durch Verzicht auf Düngung dabei wie oben. Auf die vorbereitete Oberfläche wird eine Kräuter- oder Wildblumenmischung eingesät.

  • Neuschaffung eines mageren Standorts durch Überdecken einer Fläche mit kiesig-sandigem Rohboden sowie Einarbeiten einer drei bis fünf Zentimeter starken Mutterbodenschicht, danach Neuansaat.

Neuansaat

Zur Neuansaat einer Blumen- bzw. Kräuterwiese können entweder die einzelnen Pflanzenarten selbst zusammengestellt oder handelsübliche Mischungen verwendet werden. Als Regelmischungen sind z. B. erhältlich:
  • RSM 7 – Landschaftsrasen und Kräuter

  • Extensivrasen als Kräuterwiese

  • Extensivrasen als Blumenwiese

Dabei ist aber folgendes zubeachten:
  • Solche Mischungen bieten oft nur im ersten Jahr eine Blütenpracht, die in den folgenden Jahren erheblich nachlässt. Sie enthalten viele Arten, die nicht in eine stabile Wiesenpflanzengesellschaft gehören und schon bald wieder verschwinden, z. B. Ringelblume und Schleierkraut.

  • Beim Transport kann sich das Saatgut entmischen, so dass die Saat später viel zu dicht fällt und die Sämlinge sich gegenseitig unterdrücken.

  • Das Saatgut ist nicht immer von mitteleuropäischen Mutterpflanzen, die an unsere Klimaverhältnisse angepasst sind.

Effektiver, allerdings auch arbeitsaufwendiger ist es, selbst eine Samenmischung zusammenzustellen oder sogar Jungpflanzen anzusiedeln (möglich z. B. bei Knautien, Ehrenpreis, Wiesensalbei, Schafgarbe, Margerite, Wiesenstorchschnabel, Wiesenschaumkraut, Wegwarte, Scharfer Hahnenfuß oder Veilchen). Auch einige Blumenzwiebeln können direkt gepflanzt werden, unter anderem Märzenbecher, Krokus, Herbstzeitlose oder Narzissen. Hierzu braucht man natürlich die geeigneten Bezugsquellen und das fachliche Wissen zur richtigen Auswahl und Mischung der Samen. Im Zweifelsfall sollte man sich an den örtlichen Kreisfachberater wenden, der einem über lokale Bezugsquellen und spezifische regionale Pflanzenarten Auskunft geben kann.

Vorteile einer Blumenwiese

Die Nutzung einer solchen Fläche ist während des Hochstands der Blumen und Kräuter stark eingeschränkt bzw. unmöglich. Es stellt sich also die Frage, welche Vorteile eine Blumen- oder Kräuterwiese dem Gärtner gegenüber dem herkömmlichen Rasen bietet.

Die Vorteile sind zunächst einmal natürlich nicht-gärtnerischer, ökologischer Natur: Blumen- oder Kräuterwiesen sind – wie schon erläutert – artenreich, sie sind in unserer modernen Industrielandschaft auch selten und bieten damit ein vielfältiges Angebot an Nahrung und Lebensraum für Tierarten, die ansonsten in den Kleingartenanlagen bzw. in unseren Städten insgesamt nicht mehr existieren könnten. Es gibt aber auch "handfeste" praktische Gründe, die für die Anlage solcher Wiesenflächen sprechen. Sie sind zum einen pflegeextensiv, zum anderen billiger im Unterhalt (wenn sie einmal eingewachsen sind). Zudem besitzen sie einen hohen Erlebniswert für den Stadtbewohner. Sie stellen im Kleinen ein funktionierendes Stück Natur dar und sind durch den Artenreichtum ästhetisch wesentlich reizvoller als monotone Rasenflächen.

Somit bleibt es dem einzelnen überlassen, ob er die Mühen und Einschränkungen einer Blumenwiese in Kauf nimmt, um ihre Vorteile zu nutzen und zu genießen – einen sinnvollen und wichtigen Baustein für den naturnahen Garten stellt eine solche Wiese auf alle Fälle dar.